Das ist der Gipfel: Amazons AWS Margen

Freitag, 8. November 2013, in Cloud-Markt, von Andreas Gauger

Das ist der Gipfel: Amazons AWS Margen

Vielleicht haben Sie meinen letzten Post gelesen, in dem ich behaupte, dass die Preise für Cloud Computing unnötig hoch sind. Der allgemeine Eindruck, dass Amazons Margen für seine AWS Produkte niedrig sind und durch regelmäßige Preissenkungen niedrig gehalten werden, ist falsch. In Wahrheit sind die AWS Rohmargen im Lauf der Zeit gestiegen und betragen heute höchstwahrscheinlich über 80%.

Woher weiß ich das?

Ich arbeite seit 18 Jahren in der Hosting/Cloud Industrie. Ich habe alle Preise für 1&1 Hosting Produkte von 1995 bis 2010 kalkuliert und in den letzten drei Jahren alle Preise für ProfitBricks. Mit dieser Erfahrung und meinen aktuellen Daten kann ich die Rohmargen für AWS ziemlich gut abschätzen. Sie sind leider nicht 100% korrekt, da Amazon keine detaillierten Zahlen zu AWS veröffentlicht. Aber ich bin mir sicher, dass meine Berechnungen nicht sehr von den realen Zahlen abweichen.

In der ersten Grafik sehen Sie meine Schätzung der Entwicklung der „Herstellungskosten“ einer Amazon M1 Large Instance von Oktober 2007 bis heute.

In diesen Kosten habe ich die Abschreibungen (auf 3 Jahre) für die eingesetzte Hardware und die Kosten für Strom, Klimatisierung und „Miete“ für den benötigten Platz in einem Rechenzentrum zusammengerechnet. Ich habe die Kosten für die Entwicklung der Infrastruktur Software nicht einbezogen, da diese als fixe Kosten nicht in die Rohmargenberechnung gehören. Auch die Kosten für das Management der Infrastruktur habe ich nicht einbezogen. Diese steigen zwar leicht mit steigender Anzahl von Servern, aber von Ihrem Charakter her sind sie auch eher fixe als variable, jeder verkauften Einheit zuordnebare Kosten. Die Management Kosten sind im Vergleich zu den Gesamtkosten auch relativ gering.

In dieser Betrachtung besteht die Rohmarge aus Preis minus Abschreibung für die Hardware, den Kosten für Strom, Klimatisierung und Rechenzentrumsfläche. Internet-Uplink und dazugehörige Hardware und Management habe ich nicht in die Kosten eingeschlossen, diese werden von Amazon als separates Produkt verkauft. Das gleiche gilt für Kunden-Support Kosten, auch dieser ist ein separat zu bezahlendes Produkt bei Amazon.

Zuletzt habe ich noch einen Verschnitt (Hardware, die zwar im Rechenzentrum installiert ist, aber nicht von Kunden belegt ist) von 20% für Cores, 40% für RAM und 20% für Speicherplatz einberechnet.

Berechnung der hohen Rohmarge einer M1 Large Instance

Auf Grundlage unserer eigenen aktuellen Kalkulationen war ich in der Lage Amazons Rohmarge relativ gut zu berechnen. Das Ergebnis für die ausgewählte Instanz sind Abschreibung und Kosten in Höhe von $0,0222/Stunde ($0,0164/Stunde für Hardware Abschreibung und $0,0057/Stunde für die Rechenzentrums-Kosten). Amazons „On-Demand“ Preis für diese Instanz ist $0,24/Stunde, was einer geschätzten Rohmarge von 92,5% entspricht.

Ausgehend von den geschätzten Investitionsausgaben für Hardware und den Aufwendungen für Rechenzentren, mit denen man im Juli 2013 zu rechnen hatte, berechnete ich die Entwicklung der Kosten und Abschreibungen für den Zeitraum Oktober 2007 bis Juni 2013:

  • Geht man davon aus, dass analog zu den Grundsätzen von Moore’s Law der Wert angeschaffter Hardware mit der Zeit verfällt, lässt sich feststellen, dass Server bei gleichen Leistungsmerkmalen bereits 18 Monate nach Anschaffung um satte 50% günstiger wiederbeschafft werden könnten.
  • Um die direkten Rechenzentrumskosten ermitteln zu können, der größte Teil davon resultiert aus Aufwendungen für Strom und Kühlung der Abwärme, richtete ich meine Annahmen hauptsächlich am Energieverbrauch der Prozessoren aus. Ich schätzte, dass bei gleicher Performance der Energieverbrauch der Prozessoren 2007 noch zehn Mal höher war als er es heute ist. Somit dürften die Rechenzentrumskosten seit 2007 kontinuierlich, linear degressiv um 90% zurückgegangen sein, muss doch weniger Strom bereitgestellt und Abwärme kostenträchtig abgeführt werden.

Zudem zog ich unsere hausinternen Recherchen zu den Preisänderungen heran, die Amazon über die letzten sechs Jahre hinweg vorgenommen hat. Ich orientierte mich dabei am Beispiel der M1 Large Instance.

In der nachfolgenden Grafik vergleiche ich die Preisentwicklung für eine M1 Large Instance mit dem Verlauf der Kosten:

Preisentwicklung

Schaut man sich diese Grafik an, scheinen sich die Preise für Cloud Hosting ganz schön bewegt zu haben. Man könnte sogar meinen, dass Amazon in jüngerer Zeit Preise stärker senkt.

Kalkuliert man jedoch die Brutto-Marge beim Umsatz in Prozent, so ergibt sich aus dem nächsten Schaubild ein wahrer „Mountain of margin“.

Sehen Sie selbst:

Margen Berg

Das Bild spricht für sich. Es zeichnet ein ganz anderes Bild als das, was Amazon für AWS zeichnen möchte. Hier werden nicht kontinuierlich alle Kostenvorteile an Kunden weitergereicht. Stattdessen erhält der Kunde lediglich marginale Preisnachlässe, während die Handelsspanne für Amazons AWS nahezu stetig steigt.

Anfang 2007 startete Amazon preisaggressiv mit einer relativ geringen Spanne von ca. 30%. Über die Jahre hinweg jedoch stieg die Marge fortlaufend an, da die US-Amerikaner Kostenvorteile nicht weitergaben, die durch den ständigen Wertverfall bei eingesetzter Hardware und die Effizienzgewinne im Rechenzentrum und bei den Prozessoren entstanden. Einzige Ausnahme in dieser Zeit: 2009 sank die Spanne kurzfristig von 70 auf 60%, um dann aber zügig 80% zu überschreiten, gar nahezu obszöne 85% zu erreichen (Wie gesagt: meine eigenen Berechnungen und Annahmen, die Sie hier im Blog vollumfänglich nachlesen können).

Und der Gipfel ist noch nicht erklommen! Preisnachlässe seit 2012 führten lediglich dazu, dass sich die Umsatzmarge bei AWS irgendwo zwischen 85 und 90% bewegte und weiterhin noch leicht ansteigt.

Brutto! Margen

Klar, jeder Serviceanbieter im Cloud-Umfeld benötigt sicherlich ein gesundes Maß an Marge, um die notwendige technische Entwicklung, Kundenbetreuung, Forschung und Entwicklung, das Management, Marketing und notwendige Gemeinkosten zu finanzieren. Aber ich bin gleichfalls der Überzeugung, dass mir jeder Leser zustimmen wird, wenn ich sage: 90% Brutto-Marge ist unangemessen hoch!

Die meisten Unternehmen im Cloud Hosting-Sektor orientieren ihre Preise an Amazon AWS. Auch Google und Microsoft sind da keine Ausnahmen. Anbieter ergänzender Services für die Cloud tun es ebenfalls. Also folgt dieser einseitigen Orientierung, dass eine ganze Branche einem aufgeblähten Preisniveau nachläuft – einem Preisniveau, das letztlich der Akzeptanz des Produkts Cloud Hosting unnötig schadet.

Anfang September unternahmen wir einen großen Schritt, um eben dieses aufgeblähte Preisniveau deutlich abzusenken – hin zu angemesseneren Preisen für Cloud Hosting (IaaS). Wir senkten die Preise für Prozessoren, Cores und RAM um die Hälfte!

Ich rufe dazu auf: Lasst uns alle umdenken und dahin gelangen, Cloud Hosting für eine weit gefasste Zielgruppe finanziell attraktiv zu machen. Tun wir dies, wird Cloud Hosting sicherlich eine Brücke schlagen können zu den zehntausenden von Unternehmen und Organisationen, die immer noch unter den Einschränkungen und Kostennachteilen inhouse betriebener Rechenzentren leiden.

  1. Pingback: Amazons Preissenkungen für Web Services sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein - ProfitBricks Blog

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